New Trip

JK Horressen besucht South Carolina

Di. 08.04.2014 – Sa. 19.04.2014

 

 

Dienstag, 08.04.2014

Die Reisegruppe ist mit ca 1 Stunde Verspätung in Frankfurt gestartet, weil wir noch auf andere Flugzeuge warten mussten. Der Flug hat dann auch noch mal ca. 45 Minuten länger gedauert wegen starkem Gegenwind (angeblich bis zu 200 Stundenkilometer laut der Anzeige der Flugdaten). Gut versorgt mit ca. 40 Filmen aus jeder Sparte der Unterhaltung, waren die Jungs während des langen Flugs absolut entspannt und die Zeit ist regelrecht im Flug vergangen. Endlich gelandet, ist die Abfertigung am dortigen Flughafen glatt und problemlos durch alle Kontrollen gegangen. Zügig verlief anschließend unser Transport vom Flughafen nach Columbia.

Kleines Highlight für die erwachsenen Begleiter war, das wir mit einen cremefarbene Stretchlimosine gefahren wurden. An Bord eine Auswahl an feinsten Törtchen von Tifany (praktisch der Dahlmeier unter den Konditoreien in Columbia ).

Den Abend haben die meisten Jungs bei Schulsportveranstaltungen mit ihren Gastfamilien verbracht. Offensichtlich haben die meisten Jungs bei ihren Gastfamilien WLAN, denn WhatsApp ist schon am glühen.

 

 

Mittwoch, 09.04.2014

Heute waren unsere Jungs mit ihren Gastgeschwistern in die Schule. Einige hatten z.B. Geschichte und wurden von Deutschland wieder eingeholt, sie durften einen Film über Hitler schauen. Abends haben wir dann eine Gartenparty gehabt mit ausgezeichnetem mexikanischem Essen. Diese Party war ein willkommener Anlass um die Jungs, welche letztes Jahr in Horressen zu Besuch waren, wieder zu sehen.  Es gab natürlich viel zu erzählen und wir haben viele Gespräche geführt. Gemeinsam mit den amerikanischen Kickern  sind unsere Jungs auch kicken gewesen, was den ein oder anderen Blumentopf das Leben gekostet hat.

 


Donnerstag, 10.04.2014

Schweißarbeit stand heute auf dem Plan. Unsere Spieler bekamen 90 Minuten Fußballtraining bei einem professionellen Vereinscoach. Hochmotiviert waren unsere Jungs bei der Sache und haben wirklich toll mit gemacht. Die Belohnung dafür war ein Supertraining. Die wenigsten haben damit gerechnet das die Zeit so schnell vorbei war und das bei 25 Grad im Schatten.

Nach dem Duschen haben wir die besten Burger bekommen die wir je hatte. Anschließend sind wir in die Columbia Shopping Mall gefahren und haben ordentlich die Wirtschaft angeheizt. Die Jungs haben da trotz dem anstrengenden Training noch mal alles aus sich raus geholt. Zum Abschluss des Tages waren die meisten von uns noch Vereinsspiele ihrer Gastgeber besuchen und dann war leider wieder ein Klassetag zu Ende.

Wir hoffen das auch unsere Nachzügler sicher angekommen sind und freuen uns darauf, morgen in voller Mannschaftsstärke einen Luftwaffenstützpunkt zu besichtigen und da etwas hinter die Kulissen zu blicken. Abends steht für die Mannschaft ein Regreationspiel für die American Football League auf dem Programm, während die Erwachsenen aus einer Viplounge heraus ein Baseballspiel bei Essen und Trinken der gehobenen Klasse verfolgen dürfen.

 

Freitag, 11.04.2014

Obwohl Baseball gar nicht so unspannend ist, wie man bei uns normalerweise meint, nutze ich das Drei-Stunden-Spiel mal, um einen kurzen ersten Bericht für die lieben Daheimgebliebenen zu schreiben (außerdem habe ich hier WLAN, was ich von meinem Gastheim noch nicht sagen kann). Also, wir Erwachsenen sitzen grade im Baseball-Stadion der University of South Carolina in einer Suite und genießen das Spiel der South Carolina Gamecocks gegen Florida, einen der größten Rivalen in der Liga. Die Jungs sind mit ihren Gastfamilien derweil höchstwahrscheinlich in ihrem Zehn-Tage-Burger-Marathon an Station zwei angekommen: Nach Five Guys gestern war die einhellige Antwort auf die Frage, was es denn zu Essen geben sollte: BURGER!!!!

 

Aber den haben sie sich heute auch redlich verdient, es war immerhin ein langer Tag mit vollem Programm. Und das nur eingeschoben: Über die Erlebnisse von Dienstag bis Donnerstag kann ich leider nicht viel mehr berichten, da ich ja selbst gestern erst angekommen bin. Aber als Ausgleich für die verspätete Ankunft hatten wir Nachzügler während des Fluges wenigstens eine perfekte Sicht auf New York. Manhatten aus der Vogelperspektive sieht man ja auch nicht alle Tage.

 

Heute standen vor allem Führungen auf dem Programm. Morgens das Universitätsgelände, mittags die McIntyre National Guard Base und am Nachmittag noch mal ein besonderes Gebäude der Uni. Doch eins nach dem anderen: Die Tour über das Uni-Gelände führte uns gefühlt durch die halbe Stadt, so verteilt sind die einzelnen Gebäude. Und riesig: Von Studentenwohnheimen für Hochbegabte über millionenteuere Neubauten für Chemie oder Gesundheitswesen bis hin zu einem 40 Mio. Dollar teurem Fitnesscenter mit allem drum und dran - so hatten die Jungs mal einen Einblick in das komplette amerikanische Bildungswesen, das so viel mehr auf private Gelder aufbaut als das unsrige.

 

Bei dieser Gelegenheit möchte ich auch noch mal wiederholen, was ich den Jungs heute Morgen schon sagte: Wir freuen uns sehr, wenn dieser Austausch weitere Früchte trägt: Wenn also irgendeiner der Jungs darüber nachdenkt, seine Schulzeit zum Teil in den USA zu verbringen, so versuchen wir gerne unser Bestes, das in die Wege zu leiten. Fragt nur bei Moritz Bode nach - er wird Euch bestimmt bald berichten, wie gewinnbringend das ist.

 

Aber genug Werbung! Wie gesagt, die Jungs haben sich heute insgesamt prima verhalten - auf der Basis war das klar, das hat eigentlich jeden fasziniert. Wie auch immer man zu dem militärischen Gerät steht oder zum US-Militär: Einen Apache-Hubschrauber live zu sehen ist einfach beeindruckend.

 

Dass sich bei der dritten Führung durch ein Uni-Gebäude, das der geistigen Unterstützung von sportlich aktiven Studenten dient, immer noch alles benahm und respektvoll zuhörte, finde ich lobenswert. Unser Gastgeber Ron Tryon hatte diese letzte Führung noch kurzfristig eingeschoben und war sichtlich stolz darauf - die Freude darüber haben die Jungs ihm nicht genommen, trotz großem Hunger und einer Menge Input für einen Tag.

 

Gut, danach ging es mit der Disziplin etwas bergab - aber daran waren vor allem die gutaussehenden jungen Damen schuld, die mit uns die einzigen Zuschauer eines Uni-Fußballspiels waren. Man muss sich das so vorstellen: Auf einer Tribüne von 15 Reihen sitzen vier oder fünf hübsche Mädels weit vorne, unsere Jungs etwa sechs Reihen dahinter. Schaut man nach fünf Minuten wieder auf die Szene, sind es auf einmal nur noch vier Reihen Abstand. Und ehe man sich versieht, sitzen sie direkt hinter ihnen. Sehr clevere Strategie, aber eins müssen die Jungs dann doch noch lernen: Es ist kein Erfolg, wenn die Mädels abhauen! (Gell, Jannik, Leon und Co?).

Ansonsten gibt es für heute gar nicht so viel zu berichten, vielleicht außer Simeons dauernder Flucht vor einer überdimensionierten Mücke und seine ebenso dauernde Suche nach Essbarem.

 

Samstag, 12.04.2014

Der Morgen war den Familien überlassen, die Jungs durften ausschlafen und ausgiebig frühstücken - trotzdem war der Hunger um halb zwölf schon wieder groß, als wir uns am Williams-Brice Stadium trafen, dem American Football-Stadion der University of South Carolina. Fassungsvermögen: Ca. 85.000. Heute waren aber nur ungefähr 20.000 da, es stand ja nur ein Trainingsspiel der Gamecocks an (das lasse ich jetzt mal wirken). Hier wird einfach jede Sportveranstaltung zum Spektakel.

Nach dem gemütlichen Zuschauen mussten die Jungs aber selber ran - in mit unserer Gastgebermannschaft gemischten Teams gegen- und miteinander. Und das bei guten 30 Grad. Leider kann ich über das Spiel nicht berichten, da ich gerade währenddessen damit beschäftigt war, mein amerikanisches Handy zum Laufen zu kriegen (eine wahre Odyssee). Auf jeden Fall ging es wohl 6:2 aus - und der arme Till stand anscheinend auf der falschen Seite im Tor.

Inzwischen (es ist kurz nach acht Uhr abends) genießen wir den Abend am Broad River im und am Hause der Padulas, die nach unserem Zweieinhalbtagestrip ans Meer Alex und Tobi aufnehmen werden. Hier gibt's Barbecue und Lagerfeuer und wenn die Jungs sich nicht grade von der achtjährigen Mae in einem bocciaähnlichen Spiel abfertigen lassen (Eric, Alex, Robert... Und mehr. Das war peinlich. Oder richtig gentlemanlike. Wie man's halt sehen will), hängen sie recht ko in den Stühlen und entspannen. Ach ja, und sind online. Wie die Fliegen ums Licht sammeln sie sich um offene WLAN-Netze. Aber wer im Glashaus sitzt... Ich bin ja auch nicht besser. Ach, ich sehe grade, Alex versucht sich an einem Zauberwürfel.

Nun denn, morgen gibt es keinen Bericht, da individuelles Programm angesetzt ist. Ich kann dann ab Montag wieder schreiben, was die einzelnen Grüppchen so gemacht haben - sofern es im Strandhaus Internet gibt. Wenn nicht, dann lest Ihr erst Mittwoch wieder von uns. Wir wünschen allen einen schönen Sonntag!

 

 

Sonntag, 13.04. - Mittwoch 16.04.2014

Zwar habe ich momentan kein Internet (es ist Mittwochmorgen, halb acht, und ich sitze im Wohnzimmer unseres Strandhauses auf Fripp Island, das gleichzeitig als mein Schlafzimmer dient), aber wenn ich irgendwann heute über ein offenes WLAN stolpere, kann ich den Bericht ja abschicken und deswegen nutze ich die seltene Ruhe mal, um Euch von den letzten drei Tagen zu erzählen:

Wie gesagt, was die Jungs am Sonntag erlebt haben, müssen sie Euch im Grunde selbst berichten, denn ich war nicht dabei. Nach dem, was ich aber erfahren habe, haben die Gasteltern ganz große Geschütze aufgefahren. Von Funparks mit GoCartfahren oder Vergnügungsparks habe ich gehört - also viel Spaß. Ich muss doch noch mal nachfragen, wie viele Sonntagmorgen mit ihrer Gastfamilie in der Kirche waren. Die organisierte Religion hat hier ja einen ganz anderen Stellenwert als bei uns und wird in der Regel auch anders gelebt - Katholiken und Lutheraner sind hier in der Minderheit, die allermeisten gehören einer protestantischen Richtung an, von der man in Deutschland kaum etwas hören kann. 

An fast jeder zweiten Ecke findet man hier eine Kirche der Methodisten, der Baptisten, Pentekostalen, Episkopalen und wie sie alle heißen. Fragt doch die Jungs einfach mal, ob sie etwas davon mitbekommen haben, wenn sie wieder daheim sind. 

Nun ja, Montagmorgen sind wir recht früh Richtung Charleston aufgebrochen, unserer ersten Station auf der insgesamt dreitägigen Tour, die wir ohne die amerikanischen Gastfamilien unternehmen. Dort habe ich versucht, den Jungs anhand dieser traditionsreichen Stadt etwas über die Geschichte der USA, vor allem des Südens, zu erzählen und ihnen insbesondere die Mentalität der hier lebenden Menschen zu erklären. Charleston ist immerhin eine der ältesten Städte der USA und ein Exempel für so vieles, was die Südstaaten ausmacht: Der Pioniergeist, Landwirtschaft, Individualismus, aber auch die Sklaverei oder Krieg, denn hier begann der amerikanische Bürgerkrieg. 

Aus meiner Erfahrung nehmen die Mädels solche Geschichtsstunden lieber an als Jungen, denen man Desinteresse eher anmerkt. Deswegen ist es mir umso wichtiger, dass Ihr Eltern mitbekommt, wie sehr mich die große Aufmerksamkeit, die mir eure Jungs schenkten, freut. Dass sogar Rückfragen kommen und sich ein richtiges Gespräch entwickelt (und eben nicht nur ein Vortrag), das ist bemerkenswert und spricht nur für diese Truppe. 

Was mich leider etwas schockiert hat (keine Angst, mehr über mich selbst), ist, dass kaum einer der Jungs mehr Forrest Gump kennt! Warum ich das erwähne? In Charleston gibt es ein Restaurant namens Bubba Gump - eine Kette, die nach dem Film benannt wurde und die ihre Häuser mit Requisiten des Films füllt. In den früheren Jahren war das für unsere Gruppen immer etwas Besonderes, weil einfach jeder diesen Film kennt und mag. Den Jungs hat's auf jeden Fall geschmeckt (Burger-Marathon, Station 452), ich war nur baff, dass so viele nichts mit Forrest Gump anfangen können! Das meine ich aber nicht negativ. Es führt mir eigentlich nur vor Augen, dass ich alt werde: Ich bin mit dem Film großgeworden, ich kenne ihn, seit ich elf war. Die Jungs aber sind alle danach geboren. Ich kann mich ja noch an Simeon erinnern, da konnte er noch nicht mal laufen. Aber,

liebe Eltern, tut mir diesen Gefallen: Erinnert Eure Söhne daheim daran, sich diesen Film mal anzusehen. Erstens ist er sehr gut und zweitens fanden hier auf Fripp Island Dreharbeiten statt: Die Szenen im Dschungl von Vietnam entstanden hier auf der Insel. Okay, der Dschungel musste einem Golfplatz weichen, aber immerhin. 

Den Weg nach Fripp Island muss ich Euch kurz beschreiben, denn der ist schon besonders. Man muss sich die letzte halbe Stunde der Fahrt von der kleinen Stadt Beaufort aus ungefähr so vorstellen: Man bewegt sich auf einer kleinen, zweispurigen Straße, auf der man nicht schneller als Siebzig oder Achtzig fahren darf. Diese Straße führt wie ein Bootssteg durch scheinbar endloses Marschland.

Links und rechts entfaltet sich eine naturbelassene Landschaft von atemberaubender Schönheit. So weit das Auge reicht sieht man ganze Wälder von Schilf, durch das sich einzelne Flussläufe schlängeln, hier und da ein Reiher nach Fischen sucht oder einzelne Boote herum dümpeln. Dann überquert man eine Meeresbucht über eine Brücke, deren Seitenmauer gerade mal bis zum Radkasten reicht und den Blick so auf den Ozean freigibt. Das Land hier ist zerfurcht, das Meer frisst sich an mehreren Stellen hinein, so dass man immer wieder mal solche Brücken überquert. Dann aber gibt es auch Abschnitte, in denen man an urwüchsigen Wäldern vorbeikommt. Dicke Äste ragen weit über die Straße und spanisches Moos hängt herab. 

Dass man sich Fripp Island nähert, erkennt man daran, dass man öfter mal ein Reh am Straßenrand grasen sieht. Die Insel ist neben einem Golfresort auch ein Naturschutzgebiet, auf dem nicht nur Rehe leben. In den vielen Tümpeln finden sich auch einige Alligatoren, denen man lieber aus dem Weg gehen sollte. Anders als die Rehe laufen die aber nicht zwischen den Häusern herum. Aber keine Sorge, liebe Eltern: Die Insel wäre kein Urlaubsort, wenn es hier gefährlich wäre. Man muss sich an gewisse Regeln halten, dann passiert nichts: Die Jungs wissen genau, dass sie auf den Wegen bleiben und nicht in den Tümpeln baden sollen, sondern im Meer. 

Untergebracht sind wir in einem riesigen Strandhaus mit geschätzt fünfzehn Schlafzimmern und zehn Bädern - ein riesiges Ding. Hier sind wir ja eigentlich Selbstversorger. In den letzten Jahren haben wir gekocht, Pizza bestellt, Frühstück gemacht. Dieses Mal aber hat Ron extra jemanden mitgebracht (zwei amerikanische Begleiter haben wir), der uns rund um die Uhr versorgt. Und ich sag Euch, kochen kann er! Gestern Abend gab es einen Shrimp-Eintopf mit Mais, der seinesgleichen sucht. Dazu kleine Barschnuggets, selbst paniert und frittiert, mit Cocktail-Dip. Zwar müssten die Jungs dafür eine Station auf ihrem Burger-Marathon auslassen, aber das war für niemanden ein Problem. Sehr schön auch, dass das Spülen so problemlos klappt. An Freiwilligen mangelt es nie, auch wenn der erste Spüldienst durch ein kleines Spiel zustande kam, das ich nun gerne öfters nutze: Bei Bubba Gump mussten alle ihre Handys auf den Tisch legen. Wer es zuerst in die Hand nahm, musste später spülen. Einfach und effektiv. 

Leider hat es uns das Wetter nicht so einfach gemacht. Gestern sollte eigentlich unser Strandtag sein, aber es hat geschüttet ohne Ende.Wir mussten daher spontan umdisponieren und sind in eine Mall gefahren, die nur einige Kilometer Luftlinie entfernt liegt. Durch die Gegebenheiten des Landes

dauert die Fahrt zwar eine Stunde, aber es lohnt sich: In der Tanger Outlet Mall Hilton Head findet man eigentlich alles, was das Herz begehrt. Adidas, Nike, Hilfiger, Under Armor... ach, ich lass das mit der Aufzählung, es war einfach sehr sehr viel. 

Andi wäre ja sehr gerne dort geblieben. Der geneigte Golfer kennt Hilton Head wohl nicht nur des Shoppings wegen... 

Gestern Abend waren wir dann doch noch kurz am Strand, aber das Wetter war immer noch bescheiden. Das hat Simeon und Nico aber nicht gehindert, sich in die Fluten zu stürzen. Respekt dafür! 

Nach einem kurzen Fußballspiel am Strand (und Till, ich finde es immer noch unfair, dass Du als einziger Schuhe anhattest) ging's dann wieder heim, denn die nächste Regenfront war auf dem Weg zu uns. 

Wenn ich jetzt aus dem Fenster schaue, sieht es aber viel besser aus. Wir haben unsere Pläne auch etwas geändert: Eigentlich wollten wir gleich aufbrechen, shoppen und eine Tour durch die Boeing-Fabrik bei Charleston machen. Aber geshoppt wurde ja gestern, die Tour entfällt leider (die Sicherheitsbedenken der Fabrik waren wohl zu hoch) und so haben wir einfach den heutigen Tag zum

Strandtag erklärt. Um es in Alfreds Worten auszudrücken, die inzwischen zum Motto dieses Austauschs geworden sind: We must be flexible!

 

Freitag, 18.4.2014

 

Leider bin ich nicht früher dazu gekommen, den letzten Bericht zu schreiben, es gab doch immer irgendetwas anderes zu tun, so dass ich erst jetzt, am Flughafen von Charlotte dazu komme. Ich hoffe, dass dieser Bericht überhaupt noch gelesen wird - immerhin werden die Jungs wahrscheinlich schon daheim sein, ehe Ihr auf ihn stoßen werdet. Sei's drum!

 

Aufgehört hatte ich Mittwochmorgen, also wisst Ihr vielleicht noch gar nicht, dass wir für das miese Wetter von Dienstag noch mehr als ausreichend entschädigt wurden: Natürlich konnte die Temperatur nicht über Nacht um zwanzig Grad steigen, aber unter purer Sonne lässt es sich auch bei knappen 20 Grad am Strand aushalten. Nach einem kurzen morgendlichen Lauftraining, das fast alle sehr ambitioniert angingen (mit den Händen in den Hosentaschen läuft es sich nunmal nicht so gut, Max ;-) ) gab es ein kurzes Spiel und dann noch mal ein kleines Mittagessen im Strandhaus. Das bestand zwar nur aus Resteverwertung, aber was weg muss...

 

Und danach hieß es "Ab in die Sonne!". Leider war der Pool für Minderjährige geschlossen, aber mit ein bisschen Verhandlungsgeschick durften alle an den Erwachsenenpool des Beach Clubs, der praktischerweise direkt am Strand lag. Meer, Pool, hin und her, alles kein Problem. Wir hatten zwar nur ungefähr zwei Stunden Zeit, das hat aber für einige Sonnenbrände gereicht.

 

Der Spätnachmittag wurde dann von der Heimfahrt und einem kurzen Zwischenstopp bei Wendy's gefüllt (das hat Simeon nicht davon abgehalten, sich am Strand noch eine Pizza zu besorgen - ich muss ehrlich sagen, was der Kerl alles verdrücken kann, ist bemerkenswert und besorgniserregend zugleich).

 

Der Donnerstag bestand dann zum Großteil noch einmal aus kulturellem Programm, nämlich zwei Führungen. Eine rund um das State House, die uns noch einmal tiefer in die Geschichte des amerikanischen Bürgerkriegs und "die" amerikanische(n) Mentalität(en) einführte, eine zweite durch das State House selbst. Zwischendrin trafen wir noch den Bürgermeister Columbias, Steve Benjamin (nicht Walther, wie ich Dir sagte, Andi). Sehr offiziell also das Ganze.

 

Da die Jungs sich während diesen Stunden so tadellos verhielten (erneut kamen Rückfragen während der ersten Tour, eine wirklich seltene und erfreuliche Sache, und ich beziehe das auf alle), habe ich ihnen danach ein Eis ausgegeben, das war erstens wohlverdient und zweitens angebracht angesichts der steigenden Temperaturen.

 

Ich nehme zwar an, dass die Jungs vor einem Fußballspiel normalerweise kein Eis essen sollten, aber ich denke, dass das diesmal in Ordnung ging. Abends stand nämlich das Spiel um den Sir-Alfred-Müllers-Cup statt, den Wettbewerb, den wir für diesen Austausch ins Leben gerufen haben, der aber natürlich viel mehr den Charakter eines Freundschaftsspiels hat. In diesem Spiel bestätigte sich eine Entwicklung, die wir im Laufe der letzten Jahre schon öfter bemerkten: Der Club unserer amerikanischen Freunde expandiert enorm, inzwischen spielen über 6.000(!) Spieler für South Carolina United FC. Ein klares Ungleichgewicht, das sich dann auch im Spiel bemerkbar machen sollte:

 

Schon in der zehnten Minute fiel das 1:0 nach einem Eckball, als ein Amerikaner frei vor dem Tor zum Kopfball kam. Die Gastgeber kontrollierten das Spiel und kombinierten flüssig, unsere Jungs liefen zu Beginn doch meist hinterher. Man muss aber fairerweise anmerken, dass dabei das intensive Programm der letzten Tage seinen Teil beitrug. Die Jungs schienen sichtbar müde zu sein, sie kamen nicht in die Zweikämpfe und standen oft zu weit vom Gegner. Einige wenige Chancen erarbeiteten sie sich aber doch in der sonst deutlich von den US-Boys dominierten ersten Halbzeit: So setzte sich Steven sehr gut an der linken Außenbahn gegen einen Amerikaner durch, flankte den Ball in die Mitte, wo Simeon ihn hoch aufs Tor legte. Der scheinbar 1,90 m große Torwart konnte den Ball, dem etwas die Schärfe fehlte, aber klären.

 

Durch Fehler in unserer Abwehr gelang den Amerikanern Mitte der ersten Hälfte das 2:0 und hätte Lucas kurz darauf nicht eine 1:1-Situation reaktionsschnell entschärft, dann wäre der Abstand doch allzu schnell zu groß geworden. Gelegentliche Vorstöße auf das US-Tor brachten nur wenig Gefahr. Wieder auf links passte Nico in den Lauf von Linus, aber die Situation wurde geklärt, bevor es brenzlig wurde.

 

Lucas hielt uns ein ums andere Mal im Spiel, so zum Beispiel, als er einen Direktschuss aus fünf Metern hervorragend mit dem Fuß zur Ecke klärte. Aus der folgenden Ecke aber resultierte dann das doch überfällige 3:0 durch einen hohen Weitschuss. Auch wenn Lucas sich das Tor wohl zuschreibt, kann ich versichern, dass absolut niemand ihm Schuld zuschiebt. Nur Lucas' Paraden hielten uns ja so lange im Spiel!

 

Das Übrige taten der tiefe Sonnenstand und die Platzverhältnisse dazu (das war mehr ein abschüssiger Acker denn ein Fußballplatz). In der Halbzeitansprache verlangte Jo Gerlach von den Jungs mehr Präsenz, besseres Zweikampfverhalten und mehr Sicherheit in der Abwehr. Und tatsächlich lief die zweite Halbzeit dann komplett anders als die erste: Von der ersten Minute an gingen die Jungs früh auf den Gegner, setzten ihn in seiner Hälfte unter Druck und versuchten, sein Passspiel zu unterbinden. Das bedeutete hohen läuferischen Aufwand, und den betrieben die Jungs bis zum Ende. Immer wieder gingen Max, Till-Marvin, Moritz, Robert und andere schnell auf den Gegner und eroberten so viele Bälle, was vielversprechende Angriffe einleitete. So nutze Moritz einen abgefangenen Pass für einen Fernschuss aus zwanzig Metern, der aber leider über das Tor flog. Wie ausgewechselt wirkten unsere Spieler, das einzige Manko war, dass viele eroberte Bälle zu schnell wieder verloren gingen.

 

Aber von Resignation war keine Spur zu sehen, sie hingen sich alle rein. Und das auch noch, als durch den gefühlt einzigen Konter der Amerikaner Mitte der zweiten Halbzeit das 4:0 fiel, ansonsten machten Niklas und Jannik die Abwehr dicht. Vielmehr setzten sie ihre Angriffe unbeeindruckt fort. Aus dem Lauf gelang Nico eine wunderbare Flanke aus dem linken Halbfeld genau in die Schnittstelle der Innenverteidigung, wo Robert vor dem herausstürmenden Torwart an den Ball kam, den aber haarscharf neben das Tor setzte. Weitere Schüsse von Moritz oder Linus verfehlten das Ziel ebenso.

 

Kurz vor Schluss gelang Steven ein toller Pass in den Lauf von Alex, der mittig auf den Sechzehner zuging, beide Innenverteidiger überwand und aus elf Metern trocken abzog - das 4:1 war der wohlverdiente Ehrentreffer, der noch mal mehr Energie freizusetzen schien. Jetzt stürmten die Jungs noch einmal los, warfen alles rein, aber die meisten Abschlüsse waren leider zu unplatziert, so dass es am Ende beim 4:1 blieb. Der Sieg der Amerikaner war fraglos verdient, dafür war ihr Passspiel zu genau, ihre Ballbehandlung zu überlegen. Aber das Ergebnis empfinde ich persönlich als zu hoch. Sich nach den Strapazen der letzten Tage, dem vielen Essen, angesichts der Müdigkeit und dann des hohen Rückstands schon zur Halbzeit derart ins Spiel zu kämpfen, verdient Respekt. Schade, dass sie die ersten dreißig Minuten etwas verpennt haben, aber was danach kam ist aller Ehren wert. Und es war keineswegs so, dass die Amerikaner zwei Gänge zurückschalteten - das war der Dauerdruck, der ihr Spiel effektiv unterband und ein Team, das individuell fraglos besser besetzt war, nahezu komplett neutralisierte.

 

 

Am Spielfeld selbst fand dann noch die Abschiedsparty statt, wo kurze Reden gehalten und kleine Geschenke ausgetauscht wurden. Immer ein emotionaler Höhepunkt des Austauschs, wie ich finde. Einen wichtigen Satz von Ron Tryon, dem Präsidenten unseres gastgebenden Vereins, möchte ich hier wiedergeben, da ich ihn für essenziell halte: Er brachte seine, und auch unsere, Hoffnung zum Ausdruck, dass die Jungs eines Tages, wenn sie älter sind und selber Kinder haben, an diese Zeit hier in South Carolina zurückdenken und dann ihren Kindern genau das ermöglichen, was Ihr, liebe Eltern, ihnen heute ermöglicht. Das ist ein großes Geschenk von Euch an sie und ich hoffe und glaube, dass sie das zu schätzen wissen. Dieser Austausch ist etwas Besonderes und auch wenn es heutzutage immer normaler wird, dass man auch mal in den USA Familienurlaub machen kann, so ist das erstens lange nicht jedem möglich und zweitens ist so ein Hotelurlaub von dieser Sache doch grundverschieden. Ich hoffe sehr, dass die Jungs einiges aus diesen zehn bis zwölf Tagen mitnehmen - und zwar mehr als dass Kolibris keine Riesenmücken sind (leider habe ich vergessen, wer das kurz dachte) oder dass ein State House kein Steak House ist - ich denke da mehr daran, dass sie fremde Menschen, Familien, treffen und kennen lernen, ihre Mentalität und Kultur verstehen und vielleicht sogar Freundschaften aufbauen, die weit über Staatsgrenzen hinaus reichen.

 

... Jetzt habe ich zwar gar nicht vom heutigen Tag berichtet, aber ich finde, das sind passende Worte, um so einen Blog zu schließen. In zwei Stunden geht es an Bord unseres Fliegers und in weiteren zehn werdet Ihr Eure Söhne wohlbehalten, unbeschadet und vor allem wohlgenährt zurückerhalten. Ich hoffe, sie alle werden so positive Erinnerungen an diesen Austausch behalten wie ich.

 

 

P.S.: Wir Betreuer sind uns einig, und das sollte ich noch einmal betonen: Es gab selten eine so pflegeleichte Gruppe wie dieses Mal. Und da ich ja auch den Austausch der Mädchen betreue, die oft etwas pflegeleichter sind als Jungs, kann ich das umso erfreuter betonen: Diese Jungs sind (unter Berücksichtigung aller Marotten, die Jungs in diesem Alter so haben) wohlerzogen, aufmerksam und interessiert. Das Lob geht also an die Eltern!